Warum wir zu gläsernen Menschen werden sollten

Veröffentlicht am 03. Januar 2013 | in der Kategorie Mein Senf dazu ... | Tags: , , , ,

Foto: James Cridland (flickr)
Foto: James Cridland (flickr)

Ab und an werde ich darauf angesprochen, warum ich mich in sozialen Netzwerken und mit meiner Website vor aller Welt nackich mache. Angefangen von meinem Lebenslauf, privaten Kontaktdaten mit Foto, meinen Referenzen bis hin zu meinem seit November laufenden Blog. “Du wirst doch zum gläsernen Menschen!” – Ja, werde ich ein wenig – und das ist auch ganz gut so. Warum ich dieser Meinung bin, werde ich in diesem Artikel versuchen zu erläutern.

Impressumspflicht

Nach dem Telemediengesetz ist jeder Websitebetreiber dazu verpflichtet, seine Veröffentlichungen durch eine “Anbieterkennzeichnung” zu kennzeichnen. Es besteht eine Impressumspflicht. Das gilt natürlich nur für deutsche Websites. Mit einer internationalen Topleveldomain (z. B. .com) und einem Webspace im Ausland könnte diese Hürde einfach umgangen werden. Die deutsche .de-Domain ist in dem Köpfen des Endverbrauchers aber viel tiefer etabliert und abgesehen davon auch noch günstiger im Unterhalt.

Arbeitgeber machen es vor: Employer Branding

Unternehmen (gerade in der Medienbranche) sind inzwischen dazu übergegangen, sich mit eigenen Blogs und einer Präsenz in sozialen Netzwerken bei potentiellen Kunden und auch Bewerbern interessant zu machen. Man beschäftigt sich unterbewusst mit der ein oder anderen Marke und es wächst der Wunsch genau diese Agentur zu beauftragen oder für sie arbeiten zu wollen. Das führt dann dazu, dass die Firmen auch ohne Stellenausschreibungen genügend Bewerbungen im Posteingang haben. Neue Mitarbeiter sollen sich neben fachlicher Qualifikation möglichst gut in ein bestehendes Kollektiv eingliedern. Wenn man sich im Team versteht und das freundschaftliche Betriebsklima die ein oder andere Überstunde vergessen lässt, fällt die Arbeit leichter und man ist produktiver.

Transparenz vor dem Bewerbungsgespräch

Bei einer offenen Stellenausschreibung bleibt dem Personaler dann nur zwischen den Zeilen der Bewerbung zu lesen und sich innerhalb eines persönlichen Gesprächs auf seine Intuition zu verlassen. Beides sollte natürlich so transparent und ehrlich wie möglich gestaltet werden. Keinem nützt es, eine falsche Fassade zu errichten, die man nicht lange aufrecht erhalten kann. Recherche betreibt der Recruiter wie jeder andere auch: Google und soziale Netzwerke sind ihm dabei eine große Hilfe. Und dann ist es letztlich wie bei den Goldschürfern: je länger er nach Informationen suchen muss, um so tiefer wird er graben. Wenn er schon auf einer eigenen Webpräsenz oder der Profilseite eines Netzwerkes alle nötigen Informationen findet, dürfte er weniger Gründe haben, seine Nachforschungen auszuweiten.

Gebt dem Stalker Futter

Personaler sind bei weitem nicht die einzigen, die auf Blogs, Facebook oder Twitter “stöbern”. Jeder neue private Kontakt sucht und wird gesucht. Ich habe es da noch etwas einfacher, meinen Namen gibt es in Deutschland nicht mehr so häufig. Ich bin kein Architekt, kein Dr. der Mathematik mit Dopplnamen und besitze auch keine schweizer AG. Beim sogenannten Ego-Googlen (den eigenen Namen suchen) sieht man, wie leicht andere falsche Informationen erlangen können und man im falschen (schlechten) Licht dasteht. Es kann also sogar sinnvoll sein, seine eigene kleine Seite für Suchmaschinen zu optimieren und sie möglichst weit oben in den ersten Ergebnissen zu halten. Und das erreicht man am besten mit Inhalten.

Passive Bewerbung

Wenn diese Inhalte dann wiederum von potentiellen neuen Arbeitgebern gelesen werden, hat man die Möglichkeit, sich damit interessant zu machen. Und wenn ihnen gefällt, was sie lesen, haben sie gleich die Möglichkeit, sich über den Autor zu belesen oder mit ihm in Kontakt zu treten.

privat bleibt privat

Nichts desto trotz gibt es genügend Dinge, die nicht gleich jeder wissen muss. Privatsphären-Einstellungen bei Facebook oder die Kreise bei Google+ sollte jeder mit Bedacht und bewusst einsetzen.

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