Die Vor- und Nachteile des Arbeitsplatzes „BĂĽro“

Veröffentlicht am 14. Januar 2013 | in der Kategorie Mein Senf dazu ... | Tags: , , ,

Die Vor- und Nachteile des Arbeitsplatzes "BĂĽro"

Es ist mal wieder einmal Montag. Der Wecker klingelt viel zu frĂĽh, um den Besuch im Bad, ein FrĂĽhstĂĽck und den Arbeitsweg hinter sich zu bringen, um pĂĽnktlich 8 Uhr im BĂĽro aufzuschlagen. Alltag fĂĽr viele Arbeitnehmer.

Auf Arbeit angekommen, alle Kollegen begrĂĽĂźt und die Erlebnisse des Wochenendes ausgetauscht versucht man seiner Arbeit nachzugehen. Das gelingt (vor allem montags) nicht immer sehr motiviert. Je nach Aufgabe kann das Umfeld „BĂĽro“ jetzt zum Vor- oder Nachteil werden.

Vorteile

Man ist nicht allein – Der Mensch als kommunikatives Wesen schätzt die Gesellschaft seiner Mitmenschen. Ausnahmen bestätigen da nur die Regel. Seine Probleme oder kleine Ladehemmungen kann man schnell in die Runde werfen und erhält auf direktem Weg eine Antwort. Nicht jede Tätigkeit verlangt 100 % Konzentration. Ein lockeres Gespräch unter Kollegen hebt die Stimmung (ein gutes Betriebsklima vorausgesetzt).

Optimale Infrastruktur – Ein professionell eingerichtetes BĂĽro mit Schreibtisch, Computer, Netzwerk, Drucker ect. ist einfach vorhanden. Bei weitem nicht jedes Arbeitszimmer Zuhause ist so gut ausgestattet. Das liegt vielleicht auch daran, dass man da nicht so viele Stunden seines Tages verbringt. Ein guter Kompromiss ist da sicherlich ein sogenannter Coworking Space. Flexibel mietbare BĂĽroräume, die man allein oder in einer Projektgruppe nutzen kann. Schreibtisch und Internet sind vorhanden. Eine Kaffeemaschine ist meist auch nicht weit. Mit steigender Nachfrage enstehen in größeren Städten derzeit immer mehr solcher Plätze: Coworking in Dresden. Durch schnelles Internet ĂĽberall (naja – fast) ist es auch möglich gesichert auf das Firmennetzwerk zuzugreifen – egal wo man ist.

Der innere Schweinehund – Man sitzt also selbstverwaltet an seinem Schreibtisch im Arbeitszimmer daheim. Ich stelle jetzt mal die These auf, dass die Tatsache, dass nur eine TĂĽr zwischen Arbeit und Feierabend liegt auch eine gewisse Selbstdisziplin abverlangt, die nicht jeder leisten kann. Man lässt sich ablenken. Soziale Netzwerke sind dafĂĽr wie geschaffen. Laut einem t3n-Artikel könnte das sogar die Produktivität steigern. Aber auch abseits der Netzwelt klappt das Ablenken ganz gut: „Ich mĂĽsste doch noch saugen, Wäsche waschen, einkaufen …“.

Nachteile

Ablenkung – man ist eben nicht allein – Was im geringen Rahmen noch positiv einzuordnen ist, kann aber auch schnell nerven und unproduktiv werden. Ich kann es mir nicht aussuchen, ob sich meine Kollegen die ganze Zeit ĂĽber FuĂźball oder das Wetter unterhalten. Sollte eine musikalische Berieselung im BĂĽro erlaubt sein, ist diese auch höchstens ein Kompromiss unter den Kollegen. Ich höre gern Musik oder Podcasts neben meiner Arbeit, aber kann es auch nicht immer haben. Manchmal soll es einfach ruhig sein. Aus. Und dann gibt es noch eine Person, die oft genug fĂĽr Ablenkung sorgt: der Chef (ganz allgemein). Er verteilt ungeachtet bestehender Aufgaben neue, möchte diese natĂĽrlich erst in einem Meeting absprechen und sich dann in gefĂĽhlten fĂĽnfminĂĽtigen Abständen Teilresultate einholen. Alles verständlich, aber das reiĂźt einem aus seiner Konzentration und ist dem Produkt nicht zuträglich. Wenn man sich ĂĽberlegt, was „kurz mal im Team zusammensetzen“ bedeutet: vielleicht 40 Minuten Dauer bei sechs beteiligten Personen = 4 Stunden Arbeitszeit (ein halber Arbeitstag!). Was das Unternehmen – je nach Stundensatz – einem Kunden dafĂĽr berechnen mĂĽsste … und was dabei rauskommt, ist eine andere Sache.

Fixkosten – Ein BĂĽro kostet Geld. Miete, Heizung, Strom. Nicht jeder mĂĽsste zangsläufig dort untergebracht werden. Flexible Arbeitsorte von AuĂźendiestmitarbeitern im Home Office oder besagten Coworking Spaces erlaubten eine effizientere Platznutzung. Viele BĂĽros stehen die ganze Woche leer, nur um an einem bestimmten Tag genutzt zu werden. Notebooks haben Desktop-Computer im Verkauf schon lange ĂĽberholt. Warum dann nicht auch den Vorteil dieser Rechner ausnutzen: Mobilität?

Lebenszeit – Ich verbringe täglich ĂĽber drei Stunden, um ZUR Arbeit oder NACH Hause zu fahren. Zugegeben könnte ich mir eine Wohnung suchen, die näher am BĂĽro liegt, aber mir gefällt es hier ganz gut. Angenommen das Home Office verdränge das BĂĽro: man steht frĂĽh also ggf. etwas später auf, Bad, FrĂĽhstĂĽck … und eben kein Arbeitsweg mehr. Nach getaner Arbeit hat man wie gewohnt Feierabend, aber man ist schon da. Es ergeben sich Freiräume, die bis jetzt nicht zu erträumen gewesen wären. Diese mĂĽssten dann zwar wieder gefĂĽllt werden, ohne Langeweile aufkommen zu lassen, das ist aber ein anderes Problem.

Fazit

Die Mischung machts – Ich persönlich sehe das BĂĽro fĂĽr mich noch immer als DEN Ort zum Arbeiten. Ich spĂĽre unterbewusst den leichten Druck, produktiv zu sein und schätze den Umgang mit meinen Kollegen. Sicherlich fluche ich ab und zu ĂĽber „die doofe Windows-Möhre“ oder den zu langen Fahrtweg. Mit der beschriebenen Ablenkung muss man sich vielleicht etwas besser arrangieren. In einem TED-Video (habe den Link leider nicht mehr) habe ich auch den Vorschlag eines „silent days“ gehört, also ein Tag in der Woche, an dem keiner spricht. Auf einen Versuch käme es an. Bliebe noch das „Problem Chef“ (so viel AnfĂĽhrungszeichen, wie man setzen möchte, kann ich gar nicht schreiben). Wenn man schon tägliche Statusmeetings abhalten muss, sollte man dazu ĂĽbergehen sogenannte „stand-ups“ also kurze ZusammenkĂĽnfte im Stehen abzuhalten. Wenn man sich erst hinsetzt, ist es viel zu gemĂĽtlich und man kommt vom Hundertsten ins Tausendste. Zu anderen Meetings sollten wirklich nur die betreffenden Mitarbeiter geladen werden. Und was die Zwischenstandsabfragen angeht: etwas mehr Geduld bitte.

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