Christi Himmelfahrt: MĂ€nner-, Vater-, Jungstag

Veröffentlicht am 10. Mai 2013 | in der Kategorie Aus meinem Leben | Tags: , , , ,

Gestern vor knapp 2000 Jahren soll Jesus den Fahrstuhl gen Himmel genommen haben. So oder so Ă€hnlich steht es in einem dicken alten Buch. Also machen sich traditionell der Großteil der MĂ€nner an diesem Tag auf die Suche nach diesem Fahrstuhl. Meist zu Fuß und mit Hopfen-Gerstenmalz-GetrĂ€nken beladenen Bollerwagen und irre lustigen T-Shirt-Aufdrucken. Naja …

Wir sind in einem großem Pulk schon auf die kleinen Berge um Bautzen herum gewandert, als wir noch lange keine MĂ€nner waren. Halbstarke. Oft genug haben wir diese Touren auch mit dem Rad bestritten. Erst den Berg hoch quĂ€len – gespickt von unwahrscheinlich vielen GetrĂ€nkepausen – und dann gib ihm wieder runter. Irgendwas ist immer passiert – so auch gestern:

Die Planung

Ich wohne ja in Dresden, ein Kollege in Görlitz und ein ehemaliger Kollege in Zittau. Ob sich aus einem wie auch immer gearteten MitarbeiterverhĂ€ltnis eine Freundschaft entwickelt hat, merkt man vor allem dann, wenn das ArbeitsverhĂ€ltnis beendet wird und man trotzdem noch Kontakt hĂ€lt. Wir waren schon letztes Jahr zum MĂ€nnertag in Zittau und sind (da jedoch zu viert) um den Olbersdorfer See gelaufen. Dieses Jahr sollte die Strecke mit dem Rad ĂŒberwunden werden. Anschließend sollte den Gartenzwergen hinterm Haus mit einem Grill eingeheizt werden.

Es ging los

Mit etwas Vorlaufzeit zum Kaufen des Fahrrad-Tickets und dieses Rad im Zug zu verstauen, bin ich ca. 8.15 Uhr bewaffnet mit meinem Grill aus dem Haus. 9.09 Uhr fĂŒhr der Zug ab und kam pĂŒnktlich 10.39 Uhr in Zittau an. Und natĂŒrlich mĂŒssen Rentnergruppen am Feiertag verreisen. Die haben ja nicht die ganze Woche Zeit. Denn da besuchen sie ja einen Arzt nach dem anderen, vielleicht stellt einer dieser Ärzte auch mal das HörgerĂ€t wieder richtig ein, dann brauchen sie sich nicht so anzuschreien. Ca. 11.00 Uhr war dann auch der Zug aus Görlitz in Zittau und wir sind zum verabredeten Startpunkt gestrampelt.

Bewaffnet mit meinem kleinen Kugelgrill noch in Dresden Hbf.

Da waren es nur noch zwei

Einmal quer durch Zittau – alles bergab, uns wurde relativ schnell bewusst, dass wir das alles wieder hoch mĂŒssen und ich hörte schon „das StĂŒck lauf ich dann aber“. Damit sollte er Recht behalten. Eine kleine Rast im Westpark und die nĂ€chste schon auf halber Strecke nach Olbersdorf spĂ€ter kam der Launekiller: ein platter Reifen. Es schien nicht das Ventil zu sein, aber aufpumpen half auch nix. Wir verabredeten einen Treffpunkt und setzten unsere Tour zu zwei fort. Jedoch nicht ohne weitere Verluste. Ein Höhenunterschied musste ĂŒberwunden werden. FĂŒr FußgĂ€nger wurde dies mit in den Boden eingelassenen Holzschwellen realisiert, daneben hat sich der Regen ein kleines Rinnsal gebildet. Ich war zum Absteigen zu faul und hat auch alles gut geklappt. Als ich dann unten war staunte ich aber nicht schlecht, als mir mein Kollege mit seinem Tourenrad folgte. *Ob das gut geht* dachte ich mir noch so … nein. Aber außer Grasflecken und typischen Schmerzen die man bei einer Landung in Brennnesseln erwartet, ist nix passiert. Als nĂ€chstes war also ich dran? Als wir den See umrundet hatten liefen wir zurĂŒck zur Wohnung und ich warf den Grill an.

Ein unangemeldeter Gast und die Polizei dein Freund und … was?

*nomnomnom*Die Wolken zogen schnell, so dass wir vor kleineren Mengen Regentropfen nicht verschont blieben. Aber der Geschmack der Steaks, WĂŒrste und des Schaschliks wurden nicht verwĂ€ssert. War alles sehr lecker. Wir hatten gerade alles aufgegessen, da erreichten uns Rufe von der Straße her. Einem Anwohner war ein Hund aufgefallen, der scheinbar ohne Herrchen aber offensichtlich ohne Halsband in den VorgĂ€rten umher wuselte. Ja – was machen? Uns jederzeit bewusst, dass Tierheime nicht der beste Platz fĂŒr ein Tier sind, aber dort auf jeden Fall nach ihm gesucht werden wĂŒrde und es sicher auch nicht gut ausgehen wĂŒrde ihn weiter an einer Bundesstraße spielen zu lassen. Der Anwohner rief also die Polizei an. Die Nummer des Zittauer Polizeireviers kannten wir nicht, sollen die bei 110 uns vermitteln. Die ließen sich den Hund aber ganz genau beschreiben und die Adresse durchgeben, meinten dann aber auch, dass sie nicht wĂŒssten wann und ob jemand Zeit hĂ€tte. Ich rief dann das Tierheim an. Ich war schon erstaunt, dass zum Feiertag ĂŒberhaupt jemand zu erreichen war. Mir wurde allerdings erklĂ€rt, dass das Tierheim nicht eigenmĂ€chtig Tiere einfangen kommen darf. Soweit verstĂ€ndlich. Ich wurde also wieder an die Polizei verwiesen. Wieder 110. Verbinden konnte er mich nicht gleich, aber er gab mir die Nummer der Polizeidirektion Zittau. Als ich es dann dort endlich auch mal geschafft habe ein Freizeichen zu bekommen und ein Beamter (?) abnahm, kam mir geballte Kompetenz entgegen gesprudelt. Nicht. Er hatte von unserem Fundhund schon gehört, aber

„ein Hund ist doch eine Sache, also mĂŒsste sich das FundbĂŒro darum kĂŒmmern. Oder das Tierheim.“

Es schob also jeder auf den anderen. Den offenbar schlĂŒssigen Grund, den mir das Tierheim nannte, schien er nicht zu verstehen/verstehen zu können. Der anerzogene Respekt und eine gewisse Demut einem Polizisten gegenĂŒber legte ich jedoch sehr schnell ab. Es war echt unbegreiflich, wie wenig dieser Mensch die Lage verstand. Er sollte ja keineswegs selber den Hund abholen kommen, aber wenigstens veranlassen, dass dieser durch irgendwelche KrĂ€fte ins Tierheim gebracht wird. Als ich hartnĂ€ckig blieb, wollte er den vollen Namen, Geburtsdatum und Telefonnummer meines dort wohnenden Freundes haben. Wozu? Ich reichte das Telefon weiter. Er versicherte, dass jemand kommen wĂŒrde, das kann aber schon noch bis 20.00 Uhr dauern. Es war 17.00 Uhr. Auf die Frage, warum das denn drei Stunden dauert meinte er, es kann auch sein, dass erst morgen frĂŒh 6.30 Uhr jemand Zeit habe. Er wollte uns also scheinbar beweisen, wie armselig sein Leben ist.

Und es war ein wirklich niedlicher Hund. Wir haben eine ganze Weile ĂŒberlegt, was da alles reingespielt hat. Foto habe ich leider keins gemacht. Es könnte eine Mischung aus Collie und Dackel gewesen sein. Halbhoch, schwarzes glattes Fell, an der Schnauze etwas heller. Sehr verspielt, von der Schnauze sah er noch welpig aus, die Pfoten verrieten das Gegenteil. Er war auch zutraulich und kannte den Umgang mit Menschen scheinbar. Eine Viertelstunde spĂ€ter löste sich alles auf. Die Tochter von „Familie Flodder“ war in dem wild bewachsenen GrundstĂŒck schrĂ€g gegenĂŒber zu Besuch und suchte jetzt nach ihrem Hund. Er sei den Tag schon ein paar Mal ausgerissen. Kein Grund fĂŒr Halsband oder das Tor mal zu schließen. Ich kann es dem Hund nicht verĂŒbeln, geflĂŒchtet zu sein. Im Tierheim wĂ€re es sicherlich schöner gewesen mit Aussicht auf Vermittlung in eine nettere Familie.

Heimweg

Jetzt habe ich fast vergessen von meiner Heimfahrt zu erzĂ€hlen. Viel gibt es da auch nicht zu sagen: der Zug war gut gefĂŒllt mit MĂ€nnergruppen um die 40, die sich erstaunlich gut auf den Beinen halten konnten, wenn man den Atemalkoholgehalt und die unkoordinierten Augenbewegungen bedenkt. Ich war jedenfalls wieder froh, dass meine Kopfhörer mich so gut von der GerĂ€uschaußenwelt abschneiden. Gegen 21.00 Uhr war ich dann wieder in Dresden.