Welche Partei kann man noch wählen?

Veröffentlicht am 25. August 2013 | in der Kategorie Mein Senf dazu ... | Tags: , , , , , , , , , , , ,

Kandidaten-Check

In vier Wochen ist Bundestagswahl Р22. September 2013, wenn man es sich lieber doch noch mal in den Kalender eintragen möchte. Und ich möchte wählen gehen Рwirklich! Рaber ich weiß echt nicht, wem ich da meine Stimme geben soll. Die einen sind generell nicht wählbar, die anderen haben nur enttäuscht, wiederum andere demontieren sich seit Jahren selbst.

Ich habe letzte Woche mal den Kandidaten-Check gemacht. Die Kandidaten meines Wahlkreises, die das #Neuland Internet schon entdeckt haben, haben sich 24 Thesen gestellt, abgestimmt, ob sie daf√ľr oder dagegen sind und diese Entscheidung auch begr√ľndet. Man klickt sich also von Aussage zu Aussage und w√§gt f√ľr sich ab, anschlie√üend kann man schauen, welcher Kandidat der selben Meinung ist und welche nicht und warum. Hier eine Liste der (Nicht)Teilnehmer:

  • Thomas Bl√ľmel (SPD)
  • Steffen Gro√üe (FREIE W√ĄHLER)
  • Tilo Kie√üling (DIE LINKE)
  • Stephan K√ľhn (GR√úNE)
  • G√ľnter Slave (MLPD)
  • Anna Katharina Vogelgesang (Piratenpartei)
  • Jens Baur (NPD) – nicht beteiligt
  • Matteo B√∂hme (FDP) – nicht beteiligt
  • Marco Hebestadt (B√ľSo) – nicht beteiligt
  • Arnold Vaatz (CDU) – nicht beteiligt

Am Ende bekommt man dann angezeigt, mit welchem Kandidaten (und damit evtl. auch mit welcher Partei) man die größte Schnittmenge hat. Persönlich vielleicht etwas erschreckend, aber dann auch schon wieder nicht, denn die Thesen sind alle so allgemein gehalten, dass sich fast alle der sechs Kandidaten aus eine Seite schlagen. Dennoch ein gutes Mittel der politischen Bildung. Am 29. August startet dann auch wieder der Wahl-O-Mat. Den werde ich dann auch noch mal durchlaufen.

Wahlwerbung via Plakatewald

Wenn man sich die Wahlplakate anschaut und die Orte, an denen sie aufgeh√§ngt sind, meine ich bestimmte Muster zu erkennen. Auf meinem Arbeitsweg durchfahre ich verschiedenste Stadtteile Dresdens, die ganz spezifisch von den einzelnen Parteien zugeklebt wurden: In der Neustadt rufen die Linken zur Revolution auf. In Pieschen sind irgendwie alle vertreten, die MLPD und die Piraten sind mir da aber besonders aufgefallen. Weiter Richtung Radebeul stehen inhaltslose Plakate der CDU und dann aber auch sehr viel Schund der NPD (siehe unten). In Cotta (Rand-Gorbitz) √ľbrigens ebenso – wen wundert¬īs da auch? Mehrheitlich sind aber kaum Inhalte auf den Plakaten zu finden, aber wie auch – inhaltlich unterscheiden sich die Wahlprogramme ja kaum. Wie soll man sich da voneinander abgrenzen.

CDU

Wir sind nicht zufrieden wie es grad l√§uft. Wie was l√§uft? Alles. Also was machen wir da? Richtig: wir verhelfen der regierenden Partei zu Umfragewerten um 40 %. WTF? Die hohen Werte sind zwar kein Vertrauensbeweis oder Zuspruch dessen, was in den letzten Jahren „erreicht“ worden ist, sondern nur ein Armutszeugnis der anderen Parteien. Aber trotzdem! Ich bitte euch! Jetzt ist die Zeit ‚Ķ bla bla bla. Ich wei√ü ja. So einfach ist es eben nicht. Eine Alternative unter den „gro√üen Parteien“ gibt es nicht wirklich und wenn man sich f√ľr die Tierschutzpartei oder solche Verb√§nde entscheidet, werden die Stimmen unter f√ľnf Prozent unter allen in den Bundestag eingezogenen Parteien verteilt. Am Ende unterst√ľtzt man damit sogar wieder die CDU und verhilft ihr zur absoluten Mehrheit. Nicht auszudenken …

Hier eine Analyse des Wahlwerbespots von Angela Merkel:


Direktlink via Kraftfuttermischwerk

SPD

Die gr√∂√üte Oppositionspartei – also die, die alles anders machen wollen – besser und so. Aber wie? Finanzm√§rkte m√ľssten reguliert werden. Wie genau? Keine Aussage. Und die Plakatwerbung will uns was sagen? „WIR“ Dazu noch abgedroschene Spr√ľche wie „F√ľr bezahlbare Mieten“. Ja gern. Nur wie? Enteignung? Wie kann man einem Wohnungseigent√ľmer vorschreiben, wie viel er f√ľr seine Wohnung verlangen darf? Wenn sie nur mit dem Finger auf andere zeigen k√∂nnen, „die Angie war b√∂se“ heulen und nicht wissen, wie es besser geht, dann sollten sie sich lieber eingraben.

B√ľndis 90 / Die Gr√ľnen

„Saubere Energie, Wohlstand statt Wachstum, gerechtere L√∂hne, Abschaffung der Zweiklassenmedizin, Kitas statt Betreuungsgeld, Keine Waffen f√ľr Diktatoren, Gemeinsam gegen Rechts“. Ja klar, mit diesen Wahlkampfspr√ľchen kann ich mich durchaus identifizieren. Wenn da nur nicht immer dieser √Ėko-Dunst mitschweben w√ľrde. Vielleicht eine Partei, die ich mir vorstellen k√∂nnte zu w√§hlen, trotz dieser Frauenquote-Idee.

Die Linke

Mit Herrn Gysi haben die Linken aus meiner Sich ja ein absolut sympatisches Aush√§ngeschild. Viele Ansichten teile ich auch mit dieser Partei. Und die Welt w√§re sicherlich total sch√∂n, bunt und w√ľrde √ľberall nach Blumen duften, ‚Ķ aber wie der Weg dahin umgesetzt und finanziert, scheint auch keiner zu wissen. Und dann noch dieses Plakat „Der Osten w√§hlt rot. Klar!“ Was soll das?

AfD

Eine „Alternative f√ľr Deutschland“ ist diese Partei wahrlich nicht. Ich finde sie sogar noch gef√§hrlicher, als die auf Fleischm√ľtzen abzielende NPD. Wie kann man mit so einem Wahlprogramm prognostiziert in den Deutschen Bundestag einziehen? Dass auch andere das so sehen, wird zum Beispiel in diesem Artikel der faz vom 24.08.2013 klar: AfD – G√∂ttinger Wirrwarr. Dass daraufhin die Vermutungen, der Angriff der Wahlkampfveranstaltung vergangenen Samstag in Bremen k√∂nnte auch inszeniert worden sein, um die angebliche Opferrolle zu verfestigen.

Piratenpartei

Ach ja, was soll man da noch sagen. Vor vier Jahren hatten wir alle Hoffnung. Nicht unbedingt, dass die Piraten sofort in den Bundestag einz√∂gen, aber immerhin, dass sie sich bis zu diesem Jahr organisieren und ihren (anderen) Weg professioneller bestreiten. Aber es ist passiert, was kommen musste, wenn man jedem Deppen die M√∂glichkeit gibt seinen Mund aufzumachen: Streitigkeiten, Missverst√§ndnisse und Resignation. Das beste Wahlplakat, was ich in diesem Jahr gesehen habe zeigt Christopher Lauer, Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus und ehem. Fraktionsvorsitzender – bleich, ausdruckslos, fertig. Dar√ľber folgender Satz: „Entschuldigt, wir hatten es und auch einfacher vorgestellt. ‚Aber das hei√üt nicht, dass wir aufgeben‘ Piraten w√§hlen“. Diese Einsicht allein macht diese Partei aber noch lange nicht w√§hlbar – leider.

NPD

Der Vollst√§ndigkeit halber und wegen ihrer Plakatwerbung hier erw√§hnt. Mit Spr√ľchen wie „Nat√ľrlich Deutsch“ (abgebildet ein kleines blondes M√§dchen, dass sich in 15 Jahren entweder mit Gewissensbissen von einer Depression in die n√§chste st√ľrzen wird oder mit teilrasiertem Sch√§del stolz auf diese Jugends√ľnde ist) oder „Maria statt Scharia“ verstecken sie ihre Ziele scheinbar immer weniger. In den Landtag hat es dieser Haufen ja geschafft, bundesweit hoffentlich nicht.


Zusammengefasst bleibt nur zu sagen: geht wählen. Ich werde es auch tun. Wen? Das weiß ich noch nicht.


Ich merke grad, ich hab die FDP in meiner Auflistung komplett vergessen =), aber was muss man zu denen noch groß sagen, bei solchen Kampagnen: LINUS wählen! #YOLO

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