Ein Monat #rauchfrei – es war irgendwie zu einfach

Veröffentlicht am 29. September 2013 | in der Kategorie Aus meinem Leben | Tags: ,

Am 29. August 2013 kurz vor 17 Uhr zĂŒndete ich meine letzte Zigarette an. Also heute vor einem Monat. Sie hat auch geschmeckt, das war also nicht der Auslöser. Wieso hat es also dieses Mal geklappt – ist ja nicht so, dass ich nicht schon öfter probiert habe, ohne Zigaretten auszukommen?

Nachdem ich Anfang August meinen neuen Job angefangen habe, stieg mein tĂ€gliches Pensum erst mal deutlich an. Viele neue EindrĂŒcke, erst mal mehr Stress und hĂ€ufigere Raucherpausen. Dazu fiel die Verbindung grenznah wohnender Kollegen weg, was ich durchaus im Geldbeutel merkte. WĂ€re also finanziell ein guter Schritt, doch das war nicht der Punkt. Dass Rauchen nicht gesund ist und mir frĂŒher oder spĂ€ter zusetzen wird, ist mir auch immer bewusst gewesen, aber das ist mit vielen anderen Punkten auch so – yolo! (Nein, das hab ich nicht wirklich geschrieben?) Obwohl ich auf gut gemeinte RatschlĂ€ge anderer immer allergisch reagiert habe, hat meine Freundin einen nicht geringen Anteil an diesem Versuch.

An Wochenenden habe ich schon immer weniger geraucht, als im normalen Arbeitstrott. Vielleicht mal abends in ner Bar, im CafĂ© oder auf dem Weg zum BĂ€cker. Also wĂ€ren es doch nur ein paar weniger … Das habe ich auch erst einmal probiert: Ein paar Tage rauchfrei „durchgehalten“, dann auf Arbeit aber doch wieder eine angezĂŒndet. So klappt das nicht.

Ein radikaler Cut musste her. Die körperliche AbhĂ€ngigkeit ist nach nur wenigen Tagen ĂŒberwunden, bleibt also den Geist zu ĂŒberlisten. Alle Gelegenheiten, die man bisher nur mit Zigarette in der Hand verbracht hat, musste ich neu kennenlernen – mit zwei HĂ€nden, die erst mal nicht wussten, was sie mit sich anfangen sollten. Ich hatte natĂŒrlich immer mal wieder Lust auf eine Zigarette. Dann habe ich mir die Worte von Holger Klein zu Herzen genommen: wenn das innere Verlangen hochkocht, sich 15 Minuten besinnen, „Nein! Jetzt nicht“ (so viel Beherrschung braucht man also) und dann hat man meist auch schon das Schlimmste ĂŒberstanden. Der Kopf hat in den 15 Minuten gelernt, dass man diese Situation auch ohne Rauchen ĂŒbersteht. Vorher kannte er sie ja nur mit. Diese Prozedur muss man jetzt einige Male durchlaufen. Die Zigarette nach dem Kaffee: fĂ€llt aus (bloß gut, dass ich kaum Kaffee trinke), der Weg zur Haltestelle: geht auch ohne Zigarette, …

Wer hat gesagt, dass es einfach wĂ€re? NatĂŒrlich habe ich immer mal wieder Lust auf eine Zigarette und auch kurzzeitig schlechte Laune, wenn ich mir diese verbiete. Noch habe ich aber weder zugenommen, weil ich mir fĂŒr jede Kippe eine Schoki reindrĂŒcke, noch einen erhöhten Kaugummiverbrauch. Mir selber zu beweisen, dass es auch ohne geht, ist Motivation genug. Ansonsten ist Ablenkung alles: einfach nicht dran denken.

Rauchen ist ja bekanntlich auch ein sozialer Katalysator. Kollegen gehen gemeinsam in die Raucherecke, unterhalten sich ĂŒber dieses und jenes, kommen wieder zurĂŒck ins BĂŒro und die nichtrauchenden Kollegen haben genau diese 10 Minuten Konversation verpasst. Gut also, dass meine Kollegen in ihren Rauchpausen kleine SpaziergĂ€nge veranstalten – Straße hoch – Straße runter. Und da gehen auch oft Nichtraucherkollegen zum frische Luft schnappen und Brainstorming mit.

Ein Nachteil hat mein Nichtraucherdasein: ich habe kein Feuerzeug mehr einstecken. Also zum Kerzen anzĂŒnden oder Bierflaschen öffnen muss ich mir jetzt anders helfen. Bleibt zu hoffen, dass dieser Missstand anhĂ€lt.