Mein Weihnachten in Hessen

Veröffentlicht am 30. Dezember 2013 | in der Kategorie Aus meinem Leben | Tags: , , , ,

Weihnachten in Familie – das hatte ich dieses Jahr einmal anders. Nicht meine Eltern waren es, mit denen ich unterm Weihnachtsbaum gesessen habe, sondern die meiner Freundin. Da 600 Kilometer eine denkbar ungeeignete Strecke ist, um die weit verbreitete Lösung: „Heiligabend jeder bei seiner Familie, 1. Feiertag bei mir, 2. Feiertag bei dir“ zum Einsatz zu bringen, bin ich mit in den Zug Richtung (ihrer) Heimat gestiegen. Ein Weihnachen ohne sie wĂ€re kein schönes Weihnachten gewesen – meine Eltern werden es verkraftet haben.

Anreise

Wir zogen um - fĂŒr eine Woche. So sah auch unser GepĂ€ck aus.Am Samstag vor Weihnachten (21.12.2013) ging es los – 4.00 Uhr klingelte der Wecker. Kein Problem – wir sind ja erst zwei Stunden vorher ins Bett. Eine Stunde spĂ€ter warteten wir mit unserem leichten GepĂ€ck auf die Straßenbahn, die uns zum Hauptbahnhof Dresden brachte. Gleis 2 – ICE 1654 nach Frankfurt (Main) Hbf. – das erste Mal ICE. Ich fahre ja gern Zug. Ich finde das unwahrscheinlich entspannend. Anders hĂ€tte ich die drei Jahre Pendeln nach Bautzen wohl nicht ĂŒberstanden und auch jetzt bin ich ja tĂ€glich ein gutes StĂŒck mit der Bahn unterwegs.

Die Sitze waren bequem, so viel Beinfreiheit hatte ich lange nicht mehr, Strom gibt es auch (versteckt zwischen den Sitzen unterhalb der KopfhörerausgĂ€nge) und die Nazis zwei Reihen weiter haben sich trotz Bierkonsum (schon 5.30 Uhr beim Einsteigen in den Zug) nicht daneben benommen. Im Boardradio gab es Elektroswing Parov Stelar – All Night) und spĂ€ter eine Stunde Rainald Grebe im Deutschlandfunk. Super! Eins nur: dass der ZugfĂŒhrer bei jedem Halt auf eben diesen KanĂ€len versuchte mir das Trommelfell zu zerreißen und wie der grĂ¶ĂŸte Tölpel durch die GĂ€nge marschierte und schrie, ob noch jemand zugestiegen sei.

In Frankfurt angekommen ging es noch etwas mit der S-Bahn weiter und schließlich wurden wir vom S-Bahn-Halt abgeholt und noch ca. 30 Minuten ĂŒber Berg und Tal kutschiert. Wenn mich da jemand im Wald ausgesetzt hĂ€tte, ich wĂŒsste nicht, in welche Richtung ich mich zur Zivilisation durchschlagen hĂ€tte mĂŒssen. Mein Telefon brĂ€uchte man mir auch nicht wegnehmen, bei diesem Empfang wĂ€re es keine Hilfe gewesen.

EDGE-Land und GPRS-Hölle

„Wer zu viel ĂŒber EDGE-Land lĂ€stert, wird mit GPRS gestraft.“ – genau das traf mich vergangene Woche. Im Zug hatte ich schon kaum Empfang, aber da wechselt man ja eh andauernd die Funkzelle. In Aarbergen angekommen stand in der Statusleiste maximal ein „E“ und daneben vielleicht 3/5 Balken – oft genug aber wirklich nur GPRS. Als Nina ausgepackt hatte wurde mein flehender Blick bemerkt und richtig gedeutet: ich bekam das WLAN-Passwort ausgehĂ€ndigt. Zu frĂŒh gefreut: 2000er DSL mit gut geschirmten WĂ€nden = im 1. OG kaum Empfang. Aber hey: das ist Urlaub! Weg von der Arbeit, weg von der Heimat (also auch weg vom Internet).

Heiligabend

Nachdem ich am Montag insgesamt 250 LĂ€mpchen um den Baum gewickelt habe und durch Nina und ihre Mama mehr als noch mal so viele AnhĂ€nger befestigt wurden, zeigte sich uns der Weihnachtsbaum in seiner vollen Pracht. Er (war) ist wirklich sehr schön. Am Heiligabend gabs dann (fĂŒr mich das erste Mal) Fondue. Fleisch mit Fleisch (und leckeren Soßen). Dann folgte ganz in Ruhe die Bescherung – Teil 1. Denn kurz nach 21.30 Uhr unterbrachen wir das freudige PĂ€ckchen auspacken und statteten der Kirche im Nachbardorf einen Besuch ab. Der mittlere Teil gefiel mir sogar sehr gut. Nachdem wir gehört hatten, dass es allen NichtglĂ€ubigen nicht gut ergehen wird (Strafe Gottes u.s.w.), mahnte der Pfarrer in seiner Predigt zu mehr Ruhe und Gelassenheit – sich Zeit fĂŒr sich selbst zu nehmen, mit dem Radierer durch den Terminkalender zu gehen und seine TrĂ€ume nicht zu beschneiden. NachahmungswĂŒrdige RatschlĂ€ge – obwohl, was ich die letzte Zeit so getrĂ€umt habe, will aber eigentlich auch keiner erleben. Dazwischen wurden Lieder gesungen und in beĂ€ngstigend synchronem Singsang gebetet. Naja, muss halt. Nach einem Spaziergang nach Hause wurde noch etwas weiter beschert.

Gesichter und Namen

Nisi, Nikki, Oma, Opa, Helga, Godi, Leo und viele andere, meiner Freundin wichtigen Menschen, habe ich die letzten Tage kennen gelernt. Mit Namen tue ich mich etwas schwer, wenn ich die Leute dazu noch nicht persönlich getroffen habe. Diese Zuordnungsleistung konnte ich aber nun vollfĂŒhren und wurde von allen herzlichst begrĂŒĂŸt und aufgenommen.

Puzzles, Limburg und Autofahren

Da parkt man doch mit einem guten GefĂŒhl. Ein Parkhaus in Wiesbaden.Auf dem Land ist alles furchtbar entfernt voneinander. Das ist zwar meist richtig, aber auch in den Ausnahmen wird dieser Weg mit dem Auto zurĂŒckgelegt. Und so war ich diese Woche so viel mit dem Auto unterwegs, wie die letzten zwei Jahre zusammen. NatĂŒrlich als Beifahrer, selber habe ich dieses Jahr gar nicht vor hinter dem Steuer gesessen, das letzte Mal war Weihnachten 2012. Neben Fahrten zu den Großeltern, Rewe oder einer Orientierungsfahrt letzten Sonntag ging es auch zweimal nach Limburg (#protzbischof) und einmal nach Wiesbaden. Von letzterer Stadt habe ich nicht viel mehr als einsturzgefĂ€hrdete, nach Urin stinkende ParkhĂ€user und durch heiße Quellen dampfende Gullideckel gesehen. Das muss nachgeholt werden.

Bei der HausfĂŒhrung am ersten Tag verlor sich Nina in die ein oder andere Erinnerung und so standen wir letztlich vorm Regal mit Puzzles. Eine Leidenschaft, die wir beide geteilt haben und nun war ja Zeit. Also lag ich oft genug auf dem Boden vor der Puzzleplatte und fĂŒgte bunte kleine Teile zu einem bunten großen Ganzen. Angesteckt und nur wartend, bis ich (endlich) mit dem Puzzle fertig war, folgte Freitagnacht in Gemeinschaftsarbeit zu dritt das zweite und am Samstag in nur drei Stunden das dritte Puzzle. Erfolgreich angefixt. Ich habe schon die Aufgabe erhalten, uns eine Puzzleplatte zu besorgen.

Puzzles

Abschied und Heimreise

Heute waren wir noch einmal etwas zu Fuß unterwegs. Wenigstens heute bin ich so auf meine 10.000 Schritte gekommen – mein Fitbit dachte anscheinend die letzten Tage, ich hĂ€tte mir das Bein gebrochen. Jetzt sitze ich im ICE 1657 von Frankfurt (19.19 Uhr) nach Dresden (0.27 Uhr). Bis auf den polternden Zugbegleiter, der „Zusteiger“ (?) auffordert, ihm die Fahrscheine zu zeigen, eine ruhige Fahrt. Ich hoffe, sie zieht sich nicht allzu lang hin.

Die Hinfahrt verging sehr schnell. Es war sehr schön im dunklen loszufahren und schon Mittag anzukommen. Jetzt das andere Extrem – aber wir wollten den Tag noch nutzen. Die Nacht wird kurz und morgen frĂŒh werde ich mich sicher quĂ€len, 6.00 Uhr das Bett zu verlassen.

Es war eines der schönsten Weihnachtsfeste, die ich je hatte. Ich finde es sehr schade, dass es eben nicht so einfach ist, fĂŒr ein Wochenende mal „rĂŒber“ zu fahren – aber vielleicht will mir ja jemand eine Bahncard 100 spendieren …?

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