Werbung abschalten

Ver├Âffentlicht am 14. April 2013 | in der Kategorie Mein Senf dazu ... | Tags: , , , ,

Werbung umgibt uns. Auf Plakaten an der Haltestelle, am Bus selbst, Anzeigen in der Zeitung, Spots im Fernsehen und Radio und auch hier im World Wide Web. Und auch bei Werbung ist es wie bei vielen anderen Dingen: sie ist selten gut und so originell, dass man sie sich bewusst gern ansieht. Leider nervt Werbung. Sie ist vom Rezipienten ungewollt – ein notwendiges ├ťbel, das man hinnehmen muss.

Also versuchen sich die Menschen der Werbung zu entziehen. In Zeitungen werden die Seiten mit Werbung „ganz bewusst ├╝berbl├Ąttert“ – als ob das ginge, das Unterbewusstsein hat den Inhalt schon l├Ąngst aufgesogen. Werbebl├Âcke im Fernsehen werden zum Gang auf die Toilette oder zum K├╝hlschrank genutzt – oder stumm geschaltet. Das ist der Industrie nat├╝rlich hinl├Ąnglich bekannt. Deshalb d├╝rfen wir uns an gro├čformatige Einblendungen in laufenden Sendungen erfreuen oder mehr oder weniger plumpe Produktplatzierungen erleben.

Push- und Pull-Werbung

Bei Push-Werbungen wird eine gro├če unbekannte Zielgruppe (ungefragt) mit Werbebotschaften befeuert. Push-Werbung erzeugt bei Konsumenten ein Bed├╝rfnis, welches vorher noch nicht bestanden hat. Diese Form der Werbung kann sich ├Ąu├čerst manipulativ auf das Kaufverhalten auswirken und steht daher auch oft in der Kritik.

Pull-Werbung zieht (pull) man erst auf sich, wenn man sein Interesse f├╝r das Thema kundgetan hat. Sucht man also im Netz beispielsweise nach Waschmaschinen, bekommt man Anzeigen von Ger├Ąten aber auch Randprodukte wie Waschmitteln zu sehen. Wenn die Auswertung der Daten anonymisiert geschiet, finde ich diese Form nicht nur in Ordnung, sondern gegebenenfalls sogar n├╝tzlich f├╝r beide Seiten. Ich bekomme, wonach ich gesucht habe und der Hersteller wei├č mehr ├╝ber seine Kundschaft.

Ohne und mit AdBlocker
links ohne, recht mit AdBlocker

AdBlocker – das langsame Todesurteil des freien kostenlosen Netzes

Banner auf Websites lassen sich relativ einfach durch Adblocker entfernen bzw. nicht anzeigen (siehe Screenshots oben). Statt bunter, flackernder Kaufempfehlungen nur noch wei├če Rechtecke oder einfach nichts. Aber was erreicht man damit? Der Betreiber der Seite erzielt durch das Klicken auf die Banner etwas Geld. Reich wird man damit freilich nicht, es d├╝rfte aber die Kosten decken, die durch das Bereitstellen der Inhalte entstanden sind. Das sind einerseits Serverkosten aber auch Zeit, die die Ersteller der Inhalte geopfert haben, um diese aufzubereiten und zu ver├Âffentlichen. Und wir nutzen den ganzen Tag ├╝ber v├Âllig selbstverst├Ąndlich Dienste im Netz, ohne daf├╝r zu bezahlen. Oder? Schon GEZahlt?

Das f├Ąngt bei der Suchmaschine an, geht ├╝ber Soziale Netzwerke zu Blogs und Nachrichten. Letztere setzen vereinzelt auf Bezahlschranken. Ein l├Ąstiges, aber verst├Ąndliches Mittel der Finanzierung (dann sollte man nat├╝rlich im Umkehrschluss auf Banner hinter der Schranke verzichten, *winkwink S├Ąchsiche Zeitung*). Mathias M├╝ller von Blumencron, Chefredakteur von Spiegel-Online, war ist ein gro├čer Verfechter, keine Paywalls einzusetzen – jetzt ist er zusammen mit seinem Print-Kollegen Georg Mascolo beurlaubt worden. Wir k├Ânnen also gespannt sein, ob sich da an der Strategie beim Spiegel etwas ├Ąndern wird.

Du bist das Produkt.

Nicht jeder Dienst, f├╝r den man kein Geld bezahlt ist kostenlos. Denn man bezahlt mit Daten. Informationen ├╝ber sich und sein (Kauf)Verhalten. Das kann jeder ganz einfach nachvollziehen: durchsucht das Netz doch mal ein paar Stunden nach Norwegen oder Schweden. Anschlie├čend springen einen f├Ârmlich auf allen Seiten Camping-Ausr├╝stungen bei Amazon, Globetrotter-Banner und Kreuzfahrten ums Nordkap an. Auch dieses Abgrasen der eigenen Daten kann man umgehen. Aber wozu? Ich nutze gen├╝gend Dienste von Google und Co., warum soll ich im Umkehrschluss nicht ein paar Informationen von mir preisgeben? Anonymisiert. Sonst ist das Geschrei gro├č, wenn nicht nur der Anschluss des Internets, sondern auch die Inhalte bald richtig ins Geld gehen.

Wenn schon Werbung, dann solche, die auf mich zugeschnitten ist.

Wir sollten uns von dem Trugschluss befreien, dass es irgendetwas umsonst g├Ąbe und uns bewusst machen, dass das Erschaffen jedes (geistigen) Gutes etwas kostet. Bezahlt wird nur nicht immer mit Geld, sondern mit Daten oder bei Blogs auch mal nur mit Anerkennung durch Kommentare und steigende Leserzahlen. Aber reicht das immer?

Fortsetzung folgt …