Das Fernsehen der Zukunft

Veröffentlicht am 27. November 2012 | in der Kategorie Apple, Mein Senf dazu ... | Tags: , ,

Foto: flickr by Sarah Reid

Ich hab gerade meinen Fernseher ausgeschaltet. Man kann es sich nicht mehr antun. Beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen versauern die guten und innovativen Formate auf den SpartenkanĂ€len. Zum Ausprobieren schön und gut, man mĂŒsste dann nur offensichtlich erfolgreiche Sendungen in das Hauptprogramm heben oder die Tochtersender mehr puschen. Auf welcher Kanalbelegung liegt bei euch ZDF.kultur oder eins.plus? Bei mir nirgends, weil ich nur analoges Kabel habe (also digitales Kabel analogisiert). Zum GlĂŒck gibt es die Mediathek.

Fernsehen ist ein Zombie!

Fernsehen ist ein Zombie! Die HĂŒlle ist noch da, eigentlich ist es schon lange tot, aber von innen stinken Brit und Co. und sind nicht unterzukriegen. Aber was machen? Dem Zombie den Kopf abhacken? Das wĂŒrde ihn vielleicht umbringen, uns aber keinen Mehrwert bringen. Also versuchen, was noch nie jemand geschafft hat: ihn zu heilen!

Wie könnte das also aussehen? Wenn die Presse in die Glaskugel schaut, sieht sie einen Fernseher von Apple – die einen eher, die anderen spĂ€ter. Alle sind sich einig: er wird kommen. Dem Zombie aber nur eine neue HĂŒlle zu verpassen brĂ€chte gar nichts und das weiß auch Apple. Ein schickes GehĂ€use aus Jony Ives Labor integriert mit der bestehenden Set-Top-Box AppleTV sĂ€he in vielen Wohnzimmern bestimmt schön aus, aber darauf liefe dann immer noch RTL2?

AppleTV | apple.com

Video kills the radio star – Fernsehen könnte Radio wieder ĂŒberholen.

Nun lebe ich in einem Bundesland, welches es nicht hinbekommt, einen hörbaren Radiosender zu produzieren. Also bin ich gezwungen ĂŒber Lifestream fritz zu hören. Dort werde ich mit neuer Musik, Nachrichten und auch Reklame versorgt. Doch Musik hört man nicht mehr nur im Radio. Ich will selber entscheiden, Was ich Wann und Wie höre. Also lade ich mir mein Lieblingsalbum bei iTunes oder kaufe es bei Amazon oder stelle mir meine persönliche Playlist ĂŒber Spotify zusammen. Das ist Alltag. Und bezahlbar. Warum also nicht auch den Fernsehmarkt umkrempeln? Wenn ich spĂ€ter von der Arbeit komme, möchte ich erst in Ruhe alles nötige erledigen und mich dann 20.43 Uhr auf die Couch setzen und die neueste Folge meiner Lieblingsserie schauen. Zeitversetztes Fernsehen gibt es ja schon, aber da muss ich dem Fernseher erst sagen, ich will heute Abend diese Sendung sehen und wenn gleichzeitig auf einem anderen Sender noch was kommt – Pech gehabt.

Das neue Fernsehprogramm.

Filme kann man sich jetzt schon jederzeit leihen – Maxdome, Amazon, iTunes. Aber das ist kein Fernsehen. Fernsehen sind Talkshows, Kochduell und Politiker bei Maischberger. Diese Inhalte mĂŒssten aktuell nach einem gewissen Veröffentlichungszeitplan frei verfĂŒgbar sein. Mediatheken machen es vor. ZusĂ€tzlich noch zwei/drei Live-Channel mit Nachrichten, Bundesliga und Wahlsondersendungen. Aber die Content-Industrie hat Angst. Sie hat Angst etwas zu Ă€ndern. Angst, dass ihr schönes Luftschloss implodieren könnte. Sie haben gesehen, wie es dem Musikmarkt ergangen ist, als Apple auf die BildflĂ€che trat. Sie wollen sich ihre Macht nicht so einfach nehmen lassen.

Alles ĂŒber das Internet.

Jede Sendung ĂŒber Satellit oder Kabel einzeln aufrufbar zu machen dĂŒrfte nicht möglich sein, also ist die einzig sinnvolle Variante, die Inhalte auch ĂŒber das Internet zu beziehen. Warum nicht? Das World Wide Web, Mail, Musikstreaming, IP-Telefonie, Chat 
 alles lĂ€uft jetzt schon ĂŒber den Provider des Vertrauens. Leider trennen uns da noch ein paar Jahre Netzausbau in Deutschland, um diesen Traum in ausreichender Geschwindigkeit trĂ€umen zu können – flĂ€chendeckend.

Und wie wird das bezahlt? Was sagen wir den Werbekunden?

Bezahlbar sollte es natĂŒrlich auch bleiben. Werbung vor jeder Sendung und bei lĂ€ngeren Shows von mir aus auch dazwischen können sie ja machen, alternativ kann man dann aber auch fĂŒr die Pro-Variante zahlen und sich von der Werbung freikaufen.

Noch mehr Mehrwert.

Apple könnte fĂŒr all das eine Lösung finden. Ich bin mir sogar sicher, sie haben schon eine gefunden. DafĂŒr brauchen sie aber die Inhalte. Und in diesen steckt noch viel mehr. Zum Beispiel das iPad als Programmzeitschrift/Fernbedienung weiß genau, welche Sendung ich gerade schaue und bietet mir dazu Hintergrundinfos, Ă€hnliche Sendungen, oder bei Live-Shows Interaktionen an. Ebay trĂ€umt das schon jetzt (etwas), nur muss man da noch selber sagen, welchen Sender man schaut:

Fazit:

Apple wird nichts ĂŒberstĂŒrzen. Ihre Set-Top-Box AppleTV verbreitet sich langsam, aber stetig, und wird den Grundstein fĂŒr dieses Zeitalter des neuen Fernsehens legen. Erst muss die Infrastruktur bestehen, dann kann der Schalter umgelegt werden. Ich freue mich schon jetzt darauf!